lieber reich und gesund als arm und krank

 Lieber reich und gesund als arm und krank
 
 
Ein sinniger Spruch, der früher als Scherz galt. Aber jetzt ist er gar nicht mehr so abwegig. Das jedenfalls war eine traurige Erfahrung von Frau Schmidt.
Frau Schmidt ist jetzt 60 Jahre alt. Seit  etwa10 Jahren hat sie Schmerzen in der Brust. Mal mehr, mal weniger, mal rechts, meistens links. Damals hatte der Frauenarzt sie zur Mammographie geschickt. Es wurde eine Zyste auf der einen Seite festegestellt. Eine gutartige Sache, die nicht beängstigend war. Aber beobachtet werden sollte. Wo kamen die Schmerzen her? Sie fragte nach einer Hormonuntersuchung. Davon hatte sie im Internet gelesen. Durch eine genaue Analyse ihrer Hormonsituation könnte eine gezielte und erfolgreiche Behandlung durchgeführt werden – hieß es da. Aber der Arzt lächelte. „Frau Schmidt, Sie sind in den Wechseljahren. Was soll bei einer Frau in Ihrem Alter bei einer solchen Untersuchung schon heraus kommen?“ Und gab ihr ein Rezept für ein Hormonpräparat.
Die Schmerzen blieben nicht nur, sie wurden stärker. Der Arzt setzte das Präparat wieder ab. Es gab andere Präparate, der Erfolg war der Gleiche.
In den folgenden Jahren wurde Frau Schmidt regelmäßig wieder zur Kontrolle geschickt, die Untersuchung blieb kostenfrei. Weil es keine reine Vorsorge war, sondern ein Schmerzbefund oder so was in der Richtung. Die Zyste war unverändert in Form, Lage und Größe. Die Schmerzen ebenfalls. Sie wurde es leid, immer wieder deswegen zum Arzt zu gehen. Außerdem kamen berufliche Veränderungen, Umzug und damit ein  notwendiger Arztwechsel dazu. Frau Schmidt war eine ganze Zeit nicht zur Mammographie gegangen. Die neue Ärztin war mit dem letzten Befund zufrieden und ging auf die Schmerzen gar nicht weiter ein. Außerdem klärte sie sie auf, daß das Gesundheitswesen beschlossen hatte, alle Frauen in ihrem Alter ohnehin zu einer Mammographie als Vorsorge einzuladen und daß sie dazu bald Post bekommen würde.
Es kam aber keine Post. Eines Tages wurde es Frau Schmidt zuviel. Der ständige Schmerz  beeinträchtigte sie beim Sitzen, bei vielen Bewegungen und manchmal sogar beim Atmen. Die Brust war teilweise voller harter Stellen. „Verdammt, da muss doch was zu machen sein!“ sagte sie sich und ging wieder zur Frauenärztin. Die bestätigte das Vorhandensein von harten Stellen im Gewebe und erklärte es Frau Schmidt: „Es kann vorkommen, daß sich das Gewebe in der Brust verhärtet. Dagegen gibt es auch ein Gel, das hilft ganz gut. Aber das darf ich nur Frauen verordnen, die in den Wechseljahren sind. Das Gesundheitswesen sagt, so was betrifft nur solche Frauen. Ältere Frauen haben so was nicht. Wenn Sie das Gel wollen, kann ich Ihnen das Rezept geben, Sie müssen es aber selbst kaufen. Vorher muss ich sie aber noch einmal zur Mammographie schicken, damit wir sicher sind, dass nichts anderes vorliegt.“
Frau Schmidt stöhnte auf, sie hat ein monatliches Einkommen von 400,00€. Da muss jeder Cent umgedreht werden. Herr Schmidt ist arbeitslos und kann da auch nichts zusteuern. Aber was tut man nicht alles für die Gesundheit.
Also macht sich Frau Schmidt auf zur Mammographie. Die Schwester am Empfang nimmt die Überweisung entgegen und sagt: „Sie wissen aber schon, dass Sie 68,00€ bezahlen müssen.“ „Nein, “ sagt Frau Schmidt, „ich denke, wenn ich Schmerzen habe, muss ich das nicht!“ „Doch“, meint die Schwester, „das ist kein Grund mehr für eine kostenfreie Untersuchung.“
Frau Schmidt fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Und pflegt jetzt ihre Schmerzen. Die Untersuchung und das Gel dazu hätten sie zusammen über 80,00€ gekostet, ein kleines Vermögen für sie. Nicht realisierbar. Gesundheit ist eben doch manchmal unbezahlbar.